Vom Zünsler und Buchsbaumzünsler – Merkmale und Bekämpfung

Starke Vergrößerung Raupe Buchbaumzünsler Cydalima Perspectalis

Von Zünslern und Buchsbaumzünslern – Schädlinge erkennen und bekämpfen | Die Überfamilie der Zünsler trägt die Bezeichnung „Zünslerfalter“. Mit mehr als 16.000 Einzelgattungen bilden sie eine der umfangreichsten in der Ordnung der Schmetterlinge. Zünsler (lateinischer Name Pyralidae) gehören mit weltweit circa 6.200 Arten zu dieser Spezies. Die meisten davon leben in tropischen Regionen.

In Mitteleuropa existieren etwa 145 unterschiedliche Exemplare. Der Name „Zünsler“ kommt von „zünseln“ oder „zünzeln“, einem früher verwendeten Wort, was so viel bedeutete wie „flackern“ beziehungsweise „flimmern“. Der Ausdruck bezog sich auf Schmetterlinge oder echte Motten, die nachts in offene Lichtquellen fliegen.


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Allgemeine Merkmale der Zünsler, ihr Lebensraum sowie einige Unterarten

Die Unterfamilie der Zünsler umfasst bezüglich ihrer Größe recht unterschiedliche Exemplare. Als gemeinsame Eigenschaften weisen sie einen schlanken Körper mit langen Beinen und markantem Rüssel auf. Dreieckig geformte Vorderflügel mit einer speziellen Äderung zeichnen die Art ebenso aus wie Haftborsten an den hinteren Flügeln. Zünsler zeigen sich als wahre Anpassungskünstler bei der Wahl ihrer Lebensräume. Manche der Arten bohren den Rüssel in Pflanzen, fressen Samen und zählen zu den Vorratsschädlingen, wie etwa die Lebensmittelmotten. Daneben kommen spezialisierte Exemplare von Zünslern in Ameisennestern vor. Andere ernähren sich von Tierkot und Pflanzenresten.

Eine weitere interessante Unterart der Tiere ist die Wachsmotte. Falter dieses Insekts besiedeln Nester von Hummeln und Honigbienen. Die Larven ernähren sich von alten Kokons und Pollenresten, teilweise aber auch vom Wabeninhalt, einschließlich der dort abgelegten Eier. Ebenfalls zu den Zünslerfaltern zählt der seit einiger Zeit in Deutschland verbreitete und mittlerweile berüchtigte Buchsbaumzünsler (Cydalima perspectalis).

 

Die Buchsbaumzünsler – gefürchtete Feinde aller Garten- und Parkfreunde

Der Buchsbaumzünsler, ein Kleinschmetterling aus Ostasien kam erst vor wenigen Jahren nach Mitteleuropa. Im Jahr 2006 gab es erste Meldungen über sein Vorkommen in Deutschland, zunächst vor allem entlang des Rheins. Experten vermuten daher, dass Exemplare der Zünsler in Schiffscontainern mit Baumschulware aus ihren Ursprungsländern eingeschleppt wurden. Seitdem richtet der Parasit erheblichen Schaden in liebevoll gepflegten Anlagen und Privatgärten an. Zahlreiche Buchsbäume fielen ihm schon zum Opfer.

Zerstörte Buchsbaumhecke durch Zünsler

Der Buchsbaum – wandelbar in seiner Gestalt sowie prägend für unsere Parks und Gärten

Der Buchsbaum (lateinischer Name Buxus) verfügt über eine Jahrtausende alte Geschichte als Nutzpflanze. Aus seinem Holz fertigten die Menschen bereits im Altertum kleine Gegenstände; ein Einsatz, der nahezu in Vergessenheit geraten ist. Heute prägt er als ansprechender und immergrüner Strauch unsere Gartenanlagen maßgeblich mit.

Ob Hecke oder Einfassung für Blumenbeete, ob Kugel oder kunstvolle Figur: Der Buchsbaum nimmt unter den Händen eines geschickten Gestalters viele florale Formen an. Daher gilt es, den Schaden durch den Buchsbaumzünsler in Grenzen zu halten. Um ihn effektiv zu bekämpfen, muss sich der Gärtner mit seinem Erscheinungsbild in den jeweiligen Entwicklungsstadien und den Eigenarten vertraut machen.

 

Erkennungszeichen der Buchsbaumzünsler und ihre Lebensweise

Die kleinen Raupen des Zünslers wachsen von anfangs etwa acht Millimeter Länge auf bis zu fünf Zentimeter bei ihrer Verpuppung heran. Der Leib zeigt eine grüne Farbe mit dunklen Streifen. Der Kopf ist schwarz. Die geschlüpften, ausgebildeten Falter besitzen eine Flügelweite von circa 40 Millimetern. Die Flügel sind meist seidig weiß mit einem charakteristischen bräunlichen Rand. Seltener finden sich komplett braune Exemplare mit hellen Flecken.

Der Jahreszyklus im Leben des Zünslers startet im zeitigen Frühling mit der Verpuppung überlebender Raupen aus dem Vorjahr. Aus diesen Puppen schlüpft ein fertiger Falter, der binnen weniger Tage seine Eier im Buchsbaum ablegt. Sein kurzes, nur acht bis neun Tage dauerndes Leben, verbringt er in diesem Stadium meist nicht direkt auf der befallenen Pflanze.

Den Buchsbaum nutzt er lediglich zur Eiablage. Die Raupen des Zünslers überdauern in Gespinsten den Winter und beginnen bei warmer Witterung ab Mitte März wieder mit der Nahrungsaufnahme. Bis zur Verpuppung häuten sie sich etwa sechsmal. Drei oder gar vier Generationen bringt der Parasit bei für ihn günstigen Bedingungen hervor, was seine rasante Vermehrung in den letzten Jahren erklärt.

Raupen des Buchsbaumzünslers

Wie lässt sich ein Befall durch den Buchsbaumzünsler vermeiden?

Da der Zünsler häufig schon durch den Pflanzenhandel verbreitet wird, stellt eine gründliche Untersuchung die erste Vorsichtsmaßnahme beim Kauf eines Buchsbaumes dar. Wichtig ist dabei ein kritischer Blick zwischen die Zweige. Die Raupen im Innern des Strauches tarnen sich durch ihre grüne Farbe geschickt. Die Gespinste sowie kleine Kothaufen gelten als ein Alarmsignal. Ein Vergleich der Sorten im Gartencenter und eine fachkundige Beratung lohnen ebenfalls.

Einige Buchsbaumarten zeigen sich widerstandsfähiger gegen den Zünsler als andere. Befindet sich der Buchsbaum schließlich im heimischen Garten, empfiehlt sich die ständige sorgfältige Beobachtung, um Schädlinge frühzeitig zu erkennen. Sogenannte „Gelbtafeln“, mit Klebstoff bestrichene Karten, die zwischen den Anpflanzungen aufgehängt werden, erweisen sich als hilfreich.

Sie geben an, ob und in welcher Entwicklungsstufe der Zünsler in der Anlage vorkommt. Die gelbe Farbe übt auch auf andere Fluginsekten, wie die Schlupfwespen und verschiedene Arten der Motte, eine große Anziehungskraft aus. Noch effektiver wirkt eine spezielle Zünsler-Falle mit ihrem enthaltenen Sexuallockstoff. Zeigen sich viele der Zünsler zwischen den Insekten, gilt es, Maßnahmen gegen einen großflächigen Befall zu ergreifen.

 

Hausmittel oder chemische Keule – was hilft gegen den lästigen Zünsler?

Das Tier beginnt fast immer tief im Innern der Pflanze zu fressen und bleibt so lange Zeit unentdeckt. Nach den Blättern nagt die Raupe des Zünslers die Rinde der Triebe bis auf das Holz ab. Die übrigen Triebteile trocknen aus, was häufig ein komplettes Absterben des Buchsbaumes zur Folge hat.

 

Natürliche Feinde des Zünslers entwickeln sich erst langsam

Da der Buchsbaumzünsler noch nicht lange in Mitteleuropa lebt, stellt sich unsere Fauna mit potenziellen Fressfeinden erst allmählich auf ihn ein. Nach anfänglicher Abneigung findet die heimische Tierwelt inzwischen Gefallen an den Raupen und Schmetterlingen. Die nachtaktiven Fledermäuse verfolgen den Falter; Spatzen picken die Larven aus dem Buchsbaum, Hornissen und Wespen jagen sie ebenfalls. Wo immer möglich, sollte ein Gärtner solche „Assistenten“ fördern und schützen. Erfahrungsgemäß reicht diese „biologische Waffe“ zur Bekämpfung des Zünslers allerdings nicht aus.

 

Bekämpfung des Zünslers ohne Zusatzstoffe – aufwendig aber effektiv

Unabhängig von der gewählten Art und Weise ist es wichtig, den Zünsler im zeitigen Frühjahr zu bekämpfen. Ab einer Temperatur von circa zehn Grad Celsius beginnen die Raupen aus dem Vorjahr zu fressen. Bereits im April erfolgt die Eiablage. Mit Geduld und Ausdauer klappt bei kleineren Büschen eventuell das Absammeln der Raupen per Hand. Diese kommen anschließend, wie befallene und abgeschnittene Zweige in einer verschlossenen Tüte zum Hausmüll.

Auf keinen Fall dürfen sie auf den heimischen Kompost. Eine wirkungsvolle Methode besteht darin, größere Büsche und Hecken mit einem Wasserstrahl aus Schlauch oder Hochdruckreiniger beziehungsweise mit einem Laubbläser „durchzupusten“. Untergelegte Folien erleichtern das Auflesen der Buchsbaumzünsler. Heiße Sommertage bieten die besten Voraussetzungen für die „Müllsackmethode“. Einzelne, sonnig stehende Pflanzen werden dabei für etwa zwölf Stunden mit großen dunklen Plastiksäcken umhüllt. Die so entstehende Hitze lässt im besten Fall die Raupen des Zünslers absterben. Der Buchsbaum selbst nimmt in dieser relativ kurzen Zeit keinen Schaden, sofern er vorher ausgiebig gewässert wurde.

Eine einfache Maßnahme, die es jedoch alle zwei Wochen zu wiederholen gilt, da nur die Raupen, nicht aber die Eier betroffen sind. Mitunter führt ein radikaler Rückschnitt zum Erfolg und rettet das Gewächs vor dem gefräßigen Buchsbaumzünsler. Viele Gärtner berichten von einer Stärkung des Buchsbaums durch Algenkalk, was ihn möglicherweise widerstandsfähiger gegen den Parasiten macht. Lässt der Befall nicht nach, gibt es im Fachhandel eine Vielzahl wirksamer Mittel. Bevor der Gartenliebhaber Chemie zum Einsatz bringt, lohnt ein Versuch mit umweltverträglichen Stoffen.

Buchsbaumzünsler Cydalima Perspectalis

Mit Mitteln aus dem Haushalt und Insektiziden aus der Natur gegen den Plagegeist Zünsler

Aus einigen gängigen Zutaten lässt sich eine Lösung zur Schädlingsabwehr mischen. Ein kostengünstiges Spritzmittel ergeben:

  • ein Liter Wasser,
  • zwei Tropfen Spülmittel,
  • sechs Esslöffel Rapsöl und
  • acht Esslöffel Essig.

Die Empfehlung lautet, den betroffenen Buchsbaum mit dieser Mischung ein- bis zweimal in der Woche kräftig zu besprühen und nach einigen Stunden Einwirkzeit wieder abzuwaschen. Der Boden darunter sollte durch eine Plastikplane geschützt werden.

Bringen alle diese Methoden nicht das gewünschte Ergebnis, geht der nächste Weg in die Gärtnerei oder das Gartencenter. Einige der dort angebotenen Insektizide enthalten den Wirkstoff „Bacillus thuringiensis“, ein Bakterium, welches der Buchsbaumzünsler mit den Blättern frisst. Das Umweltbundesamt empfiehlt „Bacillus thuringiensis“, da es keine Gefahr für Bienen und andere heimische Nützlinge darstellt.

 

Der richtige Zeitpunkt entscheidet über den Erfolg der Zünslerbekämpfung

Verschiedene Hersteller führen Produkte, die den Stoff enthalten. Für den optimalen Erfolg ist der Zeitpunkt der Anwendung von entscheidender Bedeutung. Nach dem Schlüpfen aus dem Ei beginnen die Raupen des Zünslers bei einer Größe von circa einem Zentimeter zu fressen. Jetzt wirkt eine Ausbringung am effektivsten. Dafür eignen sich etwa Drucksprühgeräte, mit deren Hilfe die Lösung bis in das vom Zünsler befallene Bauminnere gebracht wird. Dabei gilt es zu beachten:

  • Die Temperatur sollte über 15 Grad Celsius betragen.
  • Während und kurz nach der Ausbringung muss trockene Witterung herrschen.
  • Nach zehn bis 14 Tagen empfiehlt es sich, die Behandlung zu wiederholen.

Eine anderes Insektizid stellt die Substanz „Azadirachtin“ dar. Dieses Öl wird aus dem Samen des tropischen Neembaumes gewonnen und in Südostasien seit Jahrtausenden in der Naturheilkunde angewandt. Azadirachtin verhindert die Vermehrung verschiedenster Schädlinge. Unter dem Namen „Neem-Azal“ ist es als Pflanzenschutzmittel zugelassen und in unterschiedlichen Präparaten erhältlich.

Das Gewächs nimmt den Wirkstoff auf und reichert ihn im Blattgewebe an. Hier nehmen ihn Fressfeinde, wie beispielsweise der Zünsler, auf. Die Ausbringung verläuft unter ähnlichen Bedingungen wie bei Bacillus thuringiensis. Leider zeigen einige Untersuchungen, dass sich Azadirachtin für Nützlinge nicht gänzlich unbedenklich erweist. Es soll beispielsweise die Schlupfwespe schädigen, die wiederum bei der Bekämpfung von Lebensmittelmotten gute Dienste leistet. Der bewusste Gärtner setzt die Produkte vor allem in der richtigen Menge ein. Ein Konzentrat lässt sich dabei leichter und genauer dosieren als fertig angebotene Mischungen.

 

Hochwirksam gegen Zünsler und Co, jedoch nicht unproblematisch – chemische Insektizide

Der Fachhandel führt eine Reihe von Schädlingsbekämpfungsmitteln auf chemischer Basis. Der Stoff „Acetamiprid“ gilt als der effizienteste. Präparate mit der Substanz wirken gegen eine Vielzahl beißender und saugender Pflanzenfeinde wie Buchsbaumzünsler, Blattläuse, diverse Fliegen und Spinner. Die Sträucher nehmen das Acetamiprid auf und verteilen es in ihrem gesamten Organismus.

So lässt sich eine Ausbringung sowohl durch Besprühen als auch durch Gießen vornehmen. Parasiten wie der Zünsler fressen das angereicherte Insektizid mit den Blättern sowie den Trieben und sterben ab. Der Effekt macht allerdings vor zahlreichen Nützlingen nicht halt. Mittlerweile finden sich im Handel Produkte, die laut Hersteller für Bienen keine Beeinträchtigung darstellen. Ein Einsatz von Chemie sollte aber für den umweltbewussten Gartenliebhaber das letzte Mittel bilden.

 

Wie verschwindet der lästige Zünsler wieder aus dem Garten?

Einige Methoden der Bekämpfung im Überblick sind:

  • Vorbeugung schon beim Kauf sowie die ständige Kontrolle auf Befall,
  • Aufsammeln der Raupen per Hand; eventuell mit Hilfe von Wasser oder Dampf,
  • selbst hergestellte Hausmittel,
  • biologische Insektizide und
  • chemische Produkte als „letztes Mittel“.

Hilft das alles nichts, und eine Pflanze stirbt komplett ab, gibt es strikte Regeln für ihre Entsorgung. Geschädigte Äste und Triebe gehören in verschlossenen Tüten zum Hausmüll, keinesfalls auf den Kompost. Bei größeren Mengen ist es ratsam, sich mit den zuständigen Entsorgungsstellen abzustimmen, um bei Transport und Lagerung eine weitere Ausbreitung zu verhindern.

Selbst wenn der Zünsler eine echte Plage darstellt – Berufs- beziehungsweise Hobbygärtner sind nicht chancenlos im Kampf gegen ihn. Sorgfalt, Geduld und vor allem der richtige Zeitpunkt entscheiden über die schnelle Eindämmung und effektive Vernichtung der Population. Viele Anlagen und Parks wären ohne den Buchsbaum und seine fantasievollen Formen nur halb so attraktiv.

Letzte Aktualisierung am 11.07.2020 / Affiliate Links / Bilder von der Amazon Product Advertising API